Mach, was man dir sagt

Mein Nachbar sagte neulich zu seinem Sohn: „Mach doch einfach, was man dir sagt.“ Bei diesem Satz wurde ich hellhörig. Er hat mich tief in meine Vergangenheit zurückversetzt.

Als ich noch zur Schule ging, gab es das Sprichwort: Guter Rat ist teuer. Leider muss ich dem heute zustimmen, beziehungsweise kann ich den Umkehrschluss bestätigen. Dass schlechter Rat nämlich günstig ist und man schlechte Ratschläge an jeder Straßenecke findet. Man muss sie nicht einmal suchen. Sie werden dir zugesteckt. Einfach so. So auch in meinem Fall.

Frisch vom Klassenzimmer ins wahre Leben geworfen, lautete eine zentrale Frage: Wie geht es weiter? Manch einer sagt, dass man eine Ausbildung machen sollte. Denn wer eine Ausbildung hat, der hat was fürs Leben. Rückwirkend gesehen erinnert mich das in meinem Fall an Loriots Jodeldiplom. Völlig wertlos aber dennoch gefühlt wichtig.

Ich habe in meiner jugendlichen Naivität auf den Volksmund gehört und die nächstmögliche Ausbildung absolviert. Zu der Zeit waren Lehrstellen rar und die Auswahl nicht sehr umfangreich.

Anschließend hieß es, wer studiert, hat es später leichter im Leben. Also habe ich auch diesen Ratschlag mitgenommen, in der Hoffnung, den perfekten Weg gefunden zu haben. Schließlich wollte ich nicht umsonst die Stunden in der Abendschule verbracht haben.

Fakt ist jedoch, all das hat mich weit von meinem eigentlichen Weg gebracht. Ich habe lange Zeit das Ziel aus den Augen verloren, das ich als Jugendlicher noch im Visier hatte. Schreiben. Ich habe meinen eigenen Weg mit den Idealen anderer Menschen gepflastert, so dass sich meine Vita heute liest, wie ein Walk-of-Fame der anderen. Damit es dir nicht genau so ergeht, möchte ich dir dennoch einen guten Rat mitgeben. Der Rat ist ganz umsonst, auch wenn er teuer bezahlt wurde:

Geh deinen eigenen Weg.

Du darfst das aber gerne auch hinterfragen.

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Was du nicht sagst